Tiere im Museum


Bitte unbedingt lesen!29.10.2010 /Sönje Storm (Kulturzeit) / tm/dd

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© Tony Izaaks, VG Bild_Kunst_Bonn 2010 Courtesy Esther Schipper BerlinLupe
Tiere im Museum
Lebende Rentiere als Kunst-Installation
Fliegenpilze sollen sie fressen und schließlich die mythische Substanz SOMA ausscheiden: Zwölf lebende Rentiere bilden den Kern einer Installation, die der Künstler Carsten Höller ab dem 5. November 2010 im Hamburger Bahnhof in Berlin zeigt. Doch die Ausstellung hat Tierschützer auf den Plan gerufen. Was darf Kunst mit Tieren anstellen?

Das Tier darf also kein Kunstobjekt sein. Ein Zoo-Objekt dagegen offensichtlich schon. Warum stört uns Knut im Zoo nicht so sehr wie in der Kunst? Konnten wir den kleinen Knut nur so lieben, weil er nicht für ein Kunstprojekt gebraucht wird? 2007 zeigte der Österreicher Peter Friedl eine ausgestopfte Giraffe auf der documenta. Das gigantische Stofftier sorgte für Wirbel, denn die Giraffe ist eine Kriegsmetapher, die durch einen Raketenangriff im Westjordanland starb. Es funktioniert also so: Wir mögen nicht, wenn Tierkadaver uns daran erinnern, wie wir mit Tieren umgehen. Und wir mögen nicht, dass Tiere mit Tod assoziiert werden und unser Bild vom Tier die Unschuld verliert.

Auch das Rentier weckt vertraute Bilder in uns: Es zieht den Schlitten des Weihnachtsmanns. Rentiere ernähren sich unter anderem von Fliegenpilzen – diese Eigenschaft macht eine Herde aus Brandenburg ab dem 1. November 2010 zum Teil einer Kunst-Installation von Carsten Höller. Im Hamburger Bahnhof in Berlin sollen die Tiere die Pilze in einer Art Kunstlabor essen. „Der Faktor, den ich vorschlage zu untersuchen“, so Künstler Carsten Höller, „ist, ob der Fliegenpilz nach Passage durch das Rentier und im Urin vom Rentier die Grundsubstanz für die mythische Substanz Soma gewesen sein kann, die bei den wedischen Völkern vor ungefähr 5000 Jahren auf das Unglaublichste besungen worden ist. Und so ist das eine Anlage zur Erforschung und Gewinnung von Soma.“

Wenn wir dieses Rentier ordnungsgemäß schlachten und essen, erzeugt das seltsamerweise wohl nicht so viele Bedenken bei den Behörden wie die Unterbringung desselben im Hamburger Bahnhof. Denn dort verhandelt man seit 2009 mit dem Veterinärsamt Berlin Mitte darüber, wie die Tiere artgerecht unterzubringen und zu behandeln sind. „Die haben ein Jahr gerangelt, denn die ersten Vorstellungen Höllers waren tierschutzwidrig“, so Klaus Lüdcke. „Dann ist Stück für Stück das in der Ausstellung passiert, was man als Tierschützer und als amtlicher Tierarzt noch akzeptieren kann.“ Udo Kittelmann, der Direktor der Neue Nationalgalerie, ist von dem Projekt angetan: „So etwas hat es in dieser Dimension im Rahmen eines künstlerisches Projekts noch nicht gegeben, insbesondere nicht innerhalb einer Institution wie einem Museum. Insofern betreten sowohl Carsten Höller innerhalb seines Oeuvres als auch das Museum mit diesem Werk Neuland.“

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
„Soma“
Hamburger Bahnhof, Berlin
ab 05.11.2010 bis 06.02.2011

szmtag

Über Veronika Olma

Malerin, Kynikerin und Bazifistin ( www.olma.de)
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