PRESSE: Kreatürlichkeit und Farbgewalt


Eröffnung

Eröffnung

Rundgang durch Neustadter Galerien: Tier-Darstellungen von Veronika Olma und Natalie Tekampe in der Galerie Aspekt –

von Claus Jürgen Holler und Holger Pöschl in der „DIE RHEINPFALZ“ vom 25. Oktober 2012

Neustadt. „mens et anima(l)“ heißt die Ausstellung mit Werken von Veronika Olma und Natalie Tekampe, die am Sonntag in der Neustadter Galerie Aspekt eröffnet wird. Zu sehen sind faszinierende Ansichten von Mensch und Tier zweier höchst unterschiedlicher Künstlerinnen, die trotzdem bestens zueinander passen. (…)

Bereits im Treppenaufgang der Galerie Aspekt blicken dem Besucher zwei vorwitzige Ratten aus dem Zyklus „Was ich noch sagen wollte“ entgegen, die repräsentativ für den ganz eigenen Stil Veronika Olmas sind: Naturalistische Darstellungen, verfremdet mit teils verwirrenden Chiffren sind die Ausdrucksform, die die 1962 im Hinterland des Bodensees geborene und heute in Enkenbach-Alsenborn lebende Künstlerin für sich ausgewählt hat. Kommen ihre Kühe auf den ersten Blick daher wie frisch aus einem Heimatfilm entsprungen, erweisen sich ihre Bilder bei näherer Betrachtung als meist recht ironische Wahrnehmungen der Beziehung von Mensch und Tier: Der „Rabe“ darf da schon mal weiß sein und auf den ersten Blick wie eine Kanarienvogel wirken, und das dämliche Schaf blickt den Betrachter in „See no evil“ so herrlich treudoof aus dem rosa Hintergrund an, dass man vergessen könnte, dass am rechten Bildrand schon zukünftiges Unheil in Form der Schlachtung droht.

Es ist nicht zuletzt die Experimentierfreude, die die Faszination der Tempera-Gemälde Olmas ausmacht, denn sie greift auch gerne mal auf ausgefallene Ideen zurück: Da sind zum Beispiel ihre „Schattenboxen“, Buchenholzkörper, die sie mit bestickten Tüchern aus dem Familienfundus bezogen und mit Tierdarstellungen verfremdet. Da wird den ursprünglichen Plattitüden und Kitsch-Botschaften wie „Gott segne unser täglich Brot“ oder „Sich regen bringt Segen“ eine gänzlich andere Bedeutung verliehen. Oder die Bilder auf den runden Schiefertafeln, die an die Zeichnungen aus Brehms Tierleben erinnern. Und dann gibt es da ja auch noch das bedrohlich über einer Kuhherde dräuende Hirschgeweih auf tiefschwarzem Hintergrund.  Es ist das Spannungsfeld aus Ironie und Bedrohlichkeit, das den Betrachter fasziniert, das Spiel mit Naturalismus und Verfremdung, die die Arbeiten von Olma so spannend macht.

Nicht minder faszinierend sind die Plastiken der 1983 in Fürstenfeldbruck geborenen Natalie Tekampe, die ihre praktische Diplomarbeit an der Kunsthochschule in Halle dem Thema „Tier-Mensch-Kreatur“ gewidmet hat und Beispiele dieser künstlerischen Serie nun auch in Neustadt zeigt: Gefundene Äste hat sie dabei mit in Gips getränkten Stoffstreifen verbunden und damit ungeheuer dynamisch wirkende Wesen geschaffen, die die Verletzlichkeit von Mensch und Tier bis aufs Äußerste anschaulich machen. Diese Spannung baut sie auch auf bei ihren „Bremer Stadtmusikanten“ – schlachtreifes Vieh, das den Umgang des Menschen mit dem Tier infrage stellt.

(…)

Bazifazit: Dass die beiden Künstlerinnen so gut zueinander passen hat vielleicht auch folgenden Hintergrund: Beim Lesen der Diplomarbeit von Natalie Tekampe stiess die Olma auf deren Literaturverzeichnis, das sich vollkommen deckte mit den Büchern, die hier im Hause konsumiert werden.

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Über Veronika Olma

Malerin, Kynikerin und Bazifistin ( www.olma.de)
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